Die Tricksereien des Bundesrates

Am letzten Freitag, 28. Mai, fand die (Achtung, langes, kompliziertes Wort) Covid-19-Gesetz-Abstimmungs-Arena des Schweizer Fernsehens statt. Abgesehen von der sattsam bekannten Neutralität des Moderators Sandro Brotz fand ich diese Sendung äusserst bemerkenswert.

Es war äusserst bemerkenswert, auf was für eine plumpe und überhebliche Art und Weise ein sogenannter Magistrat – der unglücklicherweise immer noch für viele Schweizer eine Respektsperson darstellt – sein Stimmvolk für dumm verkaufen wollte.

Vorausschicken möchte ich die Feststellung, dass die Vorlage in der bestehenden Form gar nicht vorliegen dürfte. Sie verletzt eindeutig die „Einheit der Materie“. Einerseits ermächtigt sie den Bundesrat, frei über Einschränkungen und Erleichterungen unseres Lebens zu bestimmen. Wer jetzt sagt, das stimme gar nicht, das stehe so nicht in der Abstimmungsbroschüre, dem geht es so wie der Vorlage – es stimmt nur zum Teil.

Richtig ist, dass das so nicht in der Abstimmungsbroschüre steht. Da ist bedenklicherweise der alte Text vom September 2020 abgedruckt. Nicht darin enthalten ist z.B. der Artikel 1a, der nachträglich eingefügt wurde und der dem Bundesrat ebendiese Ermächtigung zuspricht.

Ebenfalls nicht gedruckt sind die Artikel 3, 3a und 3b, in denen die Durchführung der Covid-19-Tests gefördert wird, das Contact-Tracing behandelt wird, auf Quarantänen eingegangen wird, ein Impfplan, der eine möglichst breite Durchimp­fung der Impfwilligen bis spätestens Ende Mai 2021 si­cherstellt(!), erwähnt ist und Geimpfte von der Quarantäne ausgenommen sind.

Das alles stellt Herr Berset in Abrede. Gemäss ihm ist in dem Gesetzt nicht von Impfungen die Rede. Auch das ist nur bedingt richtig; in der ursprünglichen Fassung vom September 2020 war davon tatsächlich noch nicht die Rede. Und deshalb wissen pflichtbewusste Stimmbürgerinnen und -bürger, die den Text in der Abstimmungsbroschüre gelesen haben, nichts davon!

Zudem möchte der Bundesrat Ausnahmen von der Zulassungspflicht für Arzneimittel vorsehen oder die Zulassungsvoraussetzungen oder das Zulassungsverfahren anpassen. Ebenso möchte er Ausnahmen von den Bestimmungen über die Konformitätsbewertung von Medizinprodukten erlassen können. Mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich das lese. Aber immerhin steht das in der Abstimmungsbroschüre.

Im Artikel 6a (der wiederum in der Abstimmungsbroschüre nicht zu finden ist) heisst es: Der Bundesrat legt die Anforderungen an den Nachweis einer Covid-19-Impfung, einer Covid-19-Genesung oder eines Covid-19-Testergebnisses fest. Mit andern Worten, er führt ein Covid-19-Zertifikat ein. Für was das nützlich sein soll, überlasse ich der Fantasie der Leserschaft.

Und dann regelt das Gesetz auch noch die finanzielle Unterstützung der durch die Massnahmen in Not geratenen Betriebe. Gemäss Bundesrat Berset geht es in diesem Gesetz hauptsächlich darum. Weil er die anderen Bestimmungen gerne durch die Hintertür bewilligen lassen möchte. Und dass den Zeitungsverlagen auch noch Dutzende von Millionen nachgeschmissen werden, findet Bundesrat Berset absolut notwendig. Diesen notleidenden Verlagen, die 2020 zu einem grossen Teil mit zwei- und dreistelligen Millionengewinnen abgeschlossen haben.

Und jetzt sind wir wieder bei der „Einheit der Materie“. Hätten Bundesrat und Parlament diese wahren wollen, müssten dem Stimmvolk zwei Vorlagen zur Abstimmung unterbreitet werden. Eine, die die finanzielle Unterstützung betrifft, und eine, die die ganzen Covid-19-Massnahmen betrifft. So, wie sich die Vorlage jetzt präsentiert, ist es ein plumper Erpressungsversuch.

Dass das Gesetz in wichtigen Teilen bis 31. Dezember 2031 verlängert wird, fällt ebenso vornehm unter den Tisch. So lange bleibt es jedoch in Kraft und kann jederzeit vom Parlament angepasst oder mit Ergänzungen versehen werden!

Hier noch das Covid-19-Gesetz mit allen nachträglichen Änderungen:

Alles andere als eine Ablehnung der Vorlage in dieser Form ist nicht empfehlenswert!

Ja was denn nun…?

Dass sich in Corona-Zeiten Politik und Verwaltung darauf spezialisiert haben, die Einwohner der Schweiz massiv zu verwirren, hat in der Zwischenzeit fast jeder begriffen. 😉

Der Bereich Hochbau und Umwelt von Affoltern am Albis treibt es nun aber auf die Spitze: am 9. April 2021 die Räumung der Veloparkplätze auf den Montag, 30. März, anzukünden, ist in vielerlei Hinsicht ein Paradebeispiel, wie gut unsere Verwaltung von ihren nationalen Vorbildern gelernt hat.

Dass der 30. März bereits vorbei ist und auch kein Montag (sondern ein Dienstag) war, ist nur ein Teil der Geschichte. Wer nun meint, das sei vielleicht ein Schreibfehler und es handle sich um den 30. April, liegt genauso falsch – der 30. April ist ein Freitag.

Aber vielleicht will die Verwaltung mit diesem Inserat einfach bei Velobesitzern eine weitere, unbegründete Angst auslösen und sie dazu bewegen, ihr unberechtigterweise auf den Velo-Parkplätzen entsorgtes Altmetall umgehend zu entfernen. Es könnte ja sein, dass andernfalls eine 14-tägige Quarantäne verordnet würde…

Dass auf dem Bild gleichzeitig noch die Werbung für das Tixi Säuliamt Platz hatte, ist eine positive Nebenerscheinung! Tixi Säuliamt hat übrigens nichts mit dem Bereich Hochbau und Umwelt der Stadt Affoltern am Albis zu tun, sondern ist eine eigenständige, gut organisierte, gemeinnützige Stiftung für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Verschlimmbesserung

Im Oktober 2019 war im Affolter Anzeiger folgendes zu lesen:

Stadt Affoltern am Albis wechselt zu Dialog

Nach der Submission im Rahmen des selektiven Verfahrens hat sich die Stadt Affoltern am Albis in Zusammenarbeit mit einem externen Beratungsunternehmen für einen Wechsel zu Dialog entschieden. Sie beschafft für Ihre Verwaltung unsere umfassende Softwarelösung inklusive IT-Betriebserneuerung.

Die einfache Handhabung, die hohe Durchgängigkeit und die umfangreichen Funktionalitäten unserer Gesamtlösung haben wir bei zwei Terminen in Form von live Präsentationen aufgezeigt. Die hervorragenden Service- und Supportdienstleistungen wurden der Stadt Affoltern am Albis von langjährigen Kunden im Rahmen von Referenzauskünften bestätigt. Im Rahmen des Umstellungsprojektes übernehmen wir sämtliche Daten aus allen Fachbereichen und führen persönliche Schulungen vor Ort durch. Unsere IT-Abteilung übernimmt den Ersatz der notwendigen Server in Form der Local Cloud und ersetzt mehr als hundert Arbeitsplätze. Für Hard- und Software ist Dialog zentraler Ansprechpartner für die Stadtverwaltung.

Unsere innovativen Produkte stärken die Stadt Affoltern als attraktive und moderne Arbeitgeberin. Wir schaffen die beste Ausgangslage, damit die Verwaltungsangestellten den mehr als 12’000 Einwohnerinnen und Einwohnern den besten Service bieten können. Das entgegengebrachte Vertrauen des bisher grössten Kunden im Kanton Zürich spornt uns zu Höchstleistungen an. Die Stadt Affoltern am Albis wird von unseren Produkten und Dienstleistungen begeistert sein.“

Soviel zur Theorie, wie sieht es in der Praxis aus?

Eine der wichtigsten Schnittstellen zwischen Einwohnern und Gemeinde ist das Steueramt. Dazu gab es früher eine perfekte Lösung namens „e-Gov box“. Dort konnte auf elektronischem Weg z.B. eine Fristverlängerung eingegeben werden, Einzahlungsscheine bestellt werden, es gab eine Kontoübersicht, …

Das alles gibt es jetzt nicht mehr! Mag ja sein, dass die Stadt von dieser innovativen Software begeistert ist – ich bin es ganz sicher nicht!

Wenn ich etwas Funktionierendes ersetze, dann nur durch etwas, das besser ist als das Bestehende. Doch es scheint, als hätte meine Partnerin recht, wenn sie mir immer wieder erklärt, ich dürfe nicht von mir auf andere schliessen! Schon gar nicht auf unsere Stadtverwaltung…

Eine Viertelmillion…

… für was genau?

Seit Jahren schon war ein Veloabstellplatz hinter dem Bahnhof ein Thema. Immer wieder wurde betont, dass Affoltern a.A. dort unbedigt einen Veloabstellplatz errichten muss.
Letztes Jahr war es dann so weit – für +/- eine Viertelmillion Franken wurde der Abstellplatz für die Zweiräder gebaut.
Was in der langen Vorbereitungszeit aber offenbar nicht gemacht wurde – abgeklärt, ob es diesen Veloabstellplatz wirklich braucht!
Wie sonst lassen sich diese Bilder von mehreren Tagen zu unterschiedlichen Tageszeiten erklären?

Die Bilder stammen vom Oktober/November letzten Jahres, es schaut jedoch bis heute nicht besser aus.

Soeben (24.5.2021) habe ich gelesen: Die Kreditabrechnung zeigt nun Erstellungskosten von Fr. 201’855.–
Die Viertelmillion war also definitiv falsch! Doch auch CHF 201’855.00 sind CHF 201’855.00 zu viel für ein ungenutztes Angebot!

Seewadel und Gesundheitspolitik

Die Gesundheitspolitik in der Schweiz hat schon vor vielen Jahren einen unheilvollen Weg eingeschlagen, als sie sich für den Profit entschied und nicht für die Gesundheit für Alle.

Wenn ein Gesundheitspolitiker aus dieser Ära mit seiner Erfahrung nun vor einer Fehlplanung warnt, dann läuten bei mir sämtliche Alarmglocken. Und dies ganz offensichtlich zu Recht, wie der Leserbrief «Steuergelder in den Sand setzen!» von Toni Bortoluzzi beweist.

Zugegeben, ich habe an der Tiefgarage auch keine Freude. Zugegeben, ich kann auch schwer nachvollziehen, wieso ein zusätzliches Pflege-Stockwerk halb so viel kostet, wie vorher der ganze Bau. Zugegeben, mit dem Wechsel von Holz- auf Betonbau wird an der falschen Stelle gespart.

Das Provisorium macht jedoch durchaus Sinn. Oder fänden Sie es unternehmerisch und menschlich sinnvoll und vertretbar, die Bewohnerinnen und Bewohner des Seewadels auf umliegende Institutionen zu verteilen und das Personal runterzufahren? Nur um nach der Fertigstellung des Ersatzneubaues festzustellen, dass das Vertrauen in den Seewadel verschwunden ist und qualifiziertes Personal wie heute kaum mehr zu finden ist?

Freie Plätze im Sonnenberg? Damit meint Bortoluzzi wohl die leeren Mehrbett-Zimmer im Haus Rigi. Einerseits hat es davon zu wenig und anderseits sind diese in einem noch schlechteren Zustand als im Seewadel. Wieso wohl sind sie leer?

Seit dem Jahr 2000, also schon seit bald 20 Jahren, ist das Seewadel ein Thema! Auch eine Renovation wurde vor ca.10 Jahren vom damaligen Gemeinderat geprüft und wieder verworfen, der dafür bestimmte Kredit an der Gemeindeversammlung abgeschrieben. Und nun soll plötzlich wieder eine Renovation problemlos möglich sein? Das zeugt von wenig vertiefter Beschäftigung mit dem Thema. Eher davon, dass die alte Tradition des Verhinderns im Säuliamt ums Überleben kämpft.

Dass dieser Kampf je länger, desto aussichtloser ist, hat der Kantonsrat in Sachen Umfahrung Ottenbach eindrücklich gezeigt. Und ich bin überzeugt, dass die Affoltemer Stimmberechtigten am 9. Februar nachziehen werden!

2020, ein gutes Jahr?

Herzlich willkommen im neuen Jahr 2020!

Ging es Ihnen auch so wie mir heute Morgen? Ich traute mich kaum, dieses noch ganz neue, frische, glänzende Jahr 2020 zu wecken. Es sah noch so friedlich aus, ohne Kratzer und Dellen, wie frisch aus der Verpackung.

Trotzdem, es nützte nichts, unser Hund wollte auf seinen Spaziergang… Warm angezogen machte ich mich, zusammen mit Hund, auf den Weg. Ein leichter Nebel verlieh dem neuen Jahr noch etwas zartes und geheimnsvolles. Vielleicht wollte er es auch nur vor einem allzu harten Erwachen schützen.

Gibi, unser Hund, und ich waren ganz alleine unterwegs. Hätte es Schnee auf der Strasse gehabt, wären unsere Spuren die ersten gewesen. Das Quartier war ganz still, noch völlig verschlafen. Wunderschön!

Während ich durch diese Ruhe schritt, dachte ich über das neue Jahr nach . Wird es ein gutes Jahr? Was bringt es uns? Geht es weiter wie letztes Jahr?

Die Antwort ist ganz einfach: Es liegt an uns, wie dieses noch junge Jahr wird!

Wir haben es in der Hand, ob es ein spannendes, friedliches, interessantes, fröhliches, freudvolles, glückliches, liebevolles Jahr voller schöner Zeiten wird. Jeder einzelne von uns kann seinen Beitrag leisten, indem er mit der Natur und seinen Mitmenschen respektvoll umgeht. Seine eigenen Wünsche hinterfragen ist ein guter Anfang. Sich selber lieben und schätzen ist die Voraussetzung, anderen Menschen mit Freundlichkeit, Höflichkeit und Nächstenliebe zu begegnen. Dem Anderen etwas gönnen und sich freuen, wenn es ihm gut geht. Das bringt uns weiter als Neid, Missgunst, Hass, Oberlehrertum und Besserwisserei!

Wenn wir daran denken und uns daran halten, dann hat dieses neue Jahr 2020 ausgezeichnete Chancen, ein gutes Jahr zu werden! Sehr gute sogar!
Ohne, dass man es am Schluss vor lauter Kratzer und Dellen kaum mehr erkennt…

So jung wie diese Pflanze ist das Jahr 2020. Es braucht Pflege, Zuneigung und Achtsamkeit, damit es zu einer grossen, starken Pflanze, zu einem richtig guten Jahr, wird!

Vereins-Konzept

Bild gefunden auf dieser Website

Seit bald zwei Jahren wartet Affoltern am Albis auf ein Vereins-Konzept. Als damals bereits nicht mehr gewählter Gemeinderat stellte ich den Antrag, dass jeder Verein einmal im Jahr eine gemeinde-eigene Räumlichkeit gratis benutzen darf.

Der Antrag wurde abgelehnt, u.a. mit Begründungen wie: „Dann kann ja irgend ein kleiner Verein kommen und den Kasinosaal für seine Generalversammlung benutzen“. Es war für den damaigen Gemeinderat und heutigen Stadtrat also völlig klar, dass in den Vorständen unserer Vereine zur Hauptsache völlig unvernünftige Leute sitzen.

Ein weiteres Argument hiess: „Im Herbst (2018) haben wir ja das neue Vereins-Konzept, und solange warten wir noch!“ Als ich daraufhin lachte und erklärte, dass das bestenfalls im Herbst 2019 der Fall sein werde (und selbst daran hatte ich bereits damals Zweifel), wurde das ziemlich ungnädig aufgenommen.

Jetzt haben wir Dezember 2019, und das Vereins-Konzept ist immer noch ein gut gehütetes Geheimnis. Jedenfalls ist es auf der Homepage der Stadt nicht zu finden…

Das wundert mich nicht. Es gab Stimmen, die zumindest in der Grundidee alle Vereine gleich behandeln wollten. Ich kann verstehen, wenn solche Forderungen an einer Gemeindeversammlung laut werden. Bei Menschen, die sich tiefer mit dieser Materie befassen sollten, habe ich für solche Vorstellungen kein Verständnis.

Bei einem solchen Konzept geht es zur Hauptsache darum, dass – wie im obigen Bild – alle Vereine über den Zaun sehen. Der Zaun ist symbolisch, es geht darum, dass jeder Verein sich ernst genommen fühlt und gemäss seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend unterstützt wird. Und natürlich auch darum, dass die in Charge stehenden Vorstände alles in ihrer Macht stehende unternehmen, dass diese Unterstützung so klein wie möglich sein muss.

Dass das nicht einfach ist, war mir schon letztes Jahr klar. Jetzt warte ich gespannt darauf, wann denn nun der gordische Knoten „Vereins-Konzept“ endlich durchschlagen wird!

Spital Affoltern am Albis 6

«If you torture data long enough, it will admit to anything», lautet ein bekanntes englisches Statistiker-Sprichwort. Auf Deutsch etwa: Quält man Daten nur lange genug, dann gestehen sie alles Mögliche. Im medialen Diskurs bewahrheitet sich dieses Sprichwort regelmässig. Zahlen sind dort ein beliebtes Mittel, um die eigene Position zu rechtfertigen. Zur tatsächlichen Klärung der Sachlage trägt das nicht immer bei. Gerne werden Daten auch mal in ein Argument gezwängt, in das sie eigentlich nicht passen. Dazu schält man den Kontext weg, vergleicht Äpfel mit Birnen oder peppt gar Zahlen mit einer gehörigen Portion Fantasie auf.

Dieser Text steht zu Beginn des Berichtes zur Gesundheitsversorgung 2017.

Vielleicht hat ihn der erste Sprecher der Spital-Demo auch gelesen. Auf jeden Fall hielt sich Dr. Koller buchstabengetreu an das Rezept. Er sprach von 700 Arbeitsplätzen, die verloren gingen. Ein Grossteil der Säuliämtler Gemeinden hätte ohne Langzeitpflege sofort ein Problem, also werden keinesfalls 700 Arbeitsplätze verloren gehen.

Er sprach auch von der Relation Spitalschliessungen – Gesundheitskosten. Er rief in die Menge, in den letzten 25 Jahren sei jedes vierte der Spitäler, vornehmlich Kleinspitäler, in der Schweiz geschlossen worden. Ob das eine Auswirkung auf die Gesundheitskosten gehabt habe, wollte er von den Beifall spendenden Demonstranten wissen. Diese Form von Rhetorik kennen eigentlich nur noch alte Menschen aus Deutschland. Und auch dort wurde begeistert applaudiert!

Solche Äpfel-Birnen-Vergleiche sind eines hoffentlich intelligenten Menschen unwürdig. Er erkennt die Problematik dahinter. Dass er sie trotzdem bringt an einer solchen Veranstaltung, kann nur bedeuten, dass ihm die Manipulation der Menschen wichtiger ist! Womit wir wieder bei den alten Menschen aus Deutschland wären. Wer sich mit Dr. Kollers Ansprache näher beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Psychologie der Massen“ von Gustave le Bon wärmstens empfohlen.

(Die Gesundheitskosten haben sich übrigens in den letzten 18 Jahren verdoppelt. Niemand weiss, wie sich die Zahlen entwickelt hätten ohne die Schliessung der 25% der Spitäler).

Und es wird immer von den tiefsten Gesundheitskosten des Bezirks berichtet. Das stimmt. Dass Affoltern am Albis bezüglich Gesundheitskosten pro Kopf ein extremer Ausreisser nach oben ist, das wird tunlichst verschwiegen!

Das Thema Kosten wird ebenfalls immer wieder verniedlicht. Dass bei den ambulanten Fällen mindestens 20% Defizit „erwirtschaftet“ werden, ist total normal und nicht wichtig. Dass eigentlich nur die Privatpatienten einen Gewinn ermöglichen, stimmt nachdenklich. Denn der Pavillon mit den Privatpatienten hat nur noch eine provisorische, zeitlich begrenzte  Betriebserlaubnis. Wurde das schon einmal erwähnt?

Dazu kommt, dass das Spital Affoltern im Fallkostenvergleich 2016 der 19 Zürcher Spitäler auf der Liste die vierthöchsten Kosten aufwies. Das wird ebenfalls unter den Tisch gewischt. Wer noch teurer war? Unter anderem Triemli und Waid! Noch Fragen?

Und diese Entwicklung geht weiter.

Im Gesundheitsversorgungsbericht 2017 wurde das Spital mit 69 Betten und einer Belegung von 81% aufgeführt! Und ein allfälliger Neubau soll weniger Betten haben als heute? Geplant sind 80!

Im gleichen Bericht steht, dass das Spital Affoltern 2016 372 Vollzeitstellen hatte, wovon 12% Ausildungsplätze waren (es gibt eine kantonale Ausbildungspflicht).

Es hat in diesem Bericht einige Fragezeichen. Das wird vom 3 x JA-Komitee und der Betriebskommission schamlos ausgenützt, indem Zahlen so zurechtgebogen und serviert werden, dass die Leute auf der emotionalen Ebene bestmöglich abgeholt werden können.

Die massiven Stolpersteine in der IKV (Interkommunale Vereinbarung) zur gAG Spital werden verniedlicht, z.B. die Verpflichtung, das Spital mindestens 5 Jahre zu betreiben und die Aktien mindestens so lange zu halten. Wer glaubt, dass sich private Käufer für Aktienanteile an einem defizitären Spital finden werden? Eben!

Diese IKV kann nur einstimmig aufgelöst werden, einer der Vorwürfe an den jetzigen Zweckverband. Sollte das Spital ab 2022, also in spätestens drei Jahren, nicht mehr auf der Liste stehen, fällt die Kantonsfinanzierung weg. Dann entsteht umgehend ein zweistelliges Millionenloch! Und der Anteil von Affoltern am Albis beträgt ein gutes Viertel an diesem zweistelligen Millionenloch. Jedes Jahr!

Irgendwann liegen dann all die hochfliegenden Pläne auf dem Boden und das finanzielle Desaster ist perfekt. Bis dahin hat Affoltern am Albis zig Millionen förmlich aus dem Fenster geschmissen. Die Kinder in den teilweise maroden Schulhäusern werden sich bedanken!

Das Personal des Spitals (nicht von der Langzeitpflege) wird dann keine Unterstützung in der Bevölkerung mehr haben und steht vor dem gleichen Problem wie dieses Jahr. Nur ist es dann für die Stellensuche mindestens drei bis vier Jahre älter.

Und die Fragen von heute, die in all den Leserbriefen an Affoltern am Albis statt an die Betriebskommission gerichtet werden, sind immer noch nicht gelöst!

Wollen sie das als Stimmberechtigte von Affoltern am Albis wirklich?

Spital Affoltern am Albis 5

Zur Abstimmungsempfehlung des Stadtrates Affoltern am Albis

Zur Zeit könnte der Eindruck entstehen, die Abstimmungsempfehlung des Stadtrates Affoltern am Albis („Ja“ zur Auflösung des Zweckverbandes, „Nein“ zur Spital AG, „Nein“ zur IKA Langzeitpflege) sei eine Empfehlung an das ganze Säuliamt.
Das ist definitiv nicht so!
Die Adressaten dieser Empfehlung sind die Einwohner von Affoltern am Albis. Sie leiden schon seit Jahren unter dem höchsten Steuerfuss im Amt. Es gehört zu den Pflichten eines verantwortungsvollen Stadtrates, diese Steuerlast nicht ins Uferlose wachsen zu lassen. Und genau diesen Pflichten ist er mit seiner Empfehlung nachgekommen.
Nachdem der Stadtpräsident endlich keine zwei Hüte mehr mit gegensätzlichen Interessen vertreten muss, kann er sich auf seine Aufgabe besinnen. Nämlich seine ganze Aufmerksamkeit und die des restlichen Stadtrates zum Wohle der Stadt einzusetzen.
Sicher war es ein Fehler, als Gemeindepräsident von Affoltern am Albis auch das Amt des Betriebskommissionspräsidenten des Spitals zu übernehmen. Die Interessenskonflikte waren vorprogrammiert. Aber darüber zu diskutieren ist jetzt müssig.
Der Stadtrat ist zur Ansicht gelangt, dass eine gesundheitliche Grundversorgung mit den umliegenden Spitälern sowie einer Permanence und einem Rettungsdienst – beide relativ zentral in der Stadt stationiert – ausreichend gesichert ist.
In Notfällen, z.B. einem Herzinfarkt, ist nicht entscheidend, wie weit das nächste Spital entfernt ist (zumindest nicht bei der Spitaldichte in der Schweiz), sondern wie schnell der Rettungsdienst vor Ort ist.
Wer meint, als stationärer Pflegefall in Affoltern am Albis gepflegt zu werden, liegt nach den aktuellen Ideen der Betriebskommission falsch. Die Idee einer Kooperation mit dem Triemli ist, dass stationäre Fälle im Triemli behandelt werden und das Triemli ambulante Fälle nach Affoltern am Albis schickt. Der Stadtzürcher, der für ein ambulantes Problem nach Affoltern am Albis kommt, muss zuerst noch erfunden werden… Die Kooperation mit dem Triemli, bzw. die Funktion als Triemli-Filiale, ist also auch nicht ganz problemlos.
Stimmen die Stimmenden der Stadt Affoltern am Albis gegen das Spital, heisst das nicht automatisch, dass das Spital geschlossen wird. Dazu braucht es weitere ablehnende Entscheide. Sollte die Spital AG nicht angenommen werden, bedeutet das auch nicht den Verlust von 700 Arbeitsplätzen.
Das würde erst dann eintreten, wenn auch die IKA Langzeitpflege abgelehnt würde. Dazu bedarf es neben Affoltern am Albis markant  mehr ablehnender Gemeinden. Das ist jedoch kaum zu erwarten. Die Gemeinden haben eine gesetzliche Verpflichtung, Pflegeplätze zur Verfügung zu stellen.
Interessant zu erfahren wäre, wieviele Arbeitsplätze betroffen sind, wenn „nur“ das Spital geschlossen würde?
Im Anzeiger vom 14. Februar schrieb Thomas Stöckli von einem volkswirtschaftlichen Nutzen des Spitals von 180 Millionen Franken, der zur Hauptsache Affoltern am Albis  zugute komme. Das wäre selbst dann nicht der Fall, wenn sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (inkl . Kader und dem ganzen ärztlichen Personal) in Affoltern am Albis wohnen und das Spital nur in Affoltern am Albis einkaufen würde.
Interessant zu erfahren wäre, wieviele der gesamten Spital-Belegschaft in Affoltern am Albis oder im Bezirk wohnhaft ist?
Affoltern am Albis leidet unter einer akuten Überalterung. Das ist weiter nicht verwunderlich. Es ist für Junge und junge Familien einfach nicht interessant genug und schlicht zu teuer, was die Steuern betrifft. Stimmen die Alten der Spital AG und der IKA Langzeitpflege zu, hinterlassen sie den immer weniger Jungen eine richtig teure Erbschaft! Genau dem will der Stadtrat vorbeugen.