Spital Affoltern am Albis 4

Infoveranstaltung

Am Montag, 11. März 2019, fand im Kasinosaal in Affoltern am Albis eine sogenannte Info-Veranstaltung statt. Der Stadtrat hatte sich zum Ziel gesetzt, die Einwohnerinnen und Einwohner über die Gründe seiner Empfehlung für die Abstimmung vom 19. Mai 2019 zu informieren. Bekanntlich empfiehlt er ein „Ja“ zur Auflösung des Zweckverbandes, ein „Nein“ zum Beitritt in die gemeinnützige AG Spital und ein „Nein“ zum Beitritt in die interkommunale Anstalt Langzeitpflege.

Der Kasinosaal war gerammelt voll. Ein grosser Teil der Anwesenden kam nicht aus Affoltern am Albis. Und der grösste Teil kam auch nicht an die Veranstaltung, weil ihn die Gründe für diese Empfehlung interessierten. Der grösste Teil kam, um seinem Unmut Luft und Gehör zu verschaffen. Und teilweise auch, um zu beweisen, dass Anstand noch immer kein weit verbreitetes Gedankengut darstellt. Der grösste Teil hatte auch eine vorgefasste, in Stein gemeisselte Meinung.

Mit andern Worten, der grössteTeil der Besucher war an diesem Anlass am falschen Ort, weil ihn die Information des Stadtrates überhaupt nicht interessierte!

Vielmehr wollten diese Menschen den aktuellen Präsidenten der Betriebskommission des Spitals bejubeln. Der begnadete, Tatsachen unterschlagende, Halbwahrheiten verbreitende Populist erfüllte die Hoffnungen dieser Menschen. Er verbreitete einmal mehr die Mär, ein Beitritt zur Spital AG koste die Gemeinden keinen Rappen. Allfällige Defizite (so sicher wie das Amen in der Kirche) würden aus dem Eigenkapital gedeckt. Jedem halbwegs funktionierenden Verstand ist völlig klar, dass das der sichere Weg ins Verderben ist. Und wenn man weiss, dass dieser talentierte Selbstdarsteller und Rhetoriker auch noch Treuhänder sein soll, dann wird schnell klar, dass er wider besseres Wissen die Gemeinden ins Unheil locken will mit seinen fragwürdigen Behauptungen. Man könnte ihn auch als Rattenfänger mit beschränkter Berufsethik bezeichnen. Er verlässt sich darauf, dass die Stimmbürger im Säuliamt nicht rechnen können. Und der grösste Teil der Anwesenden gab ihm recht!

Nur einmal kam er doch recht ins Rudern. Mit dem „Ja“ zum Beitritt gemeinnützige AG Spital verpflichten sich die entsprechenden Gemeinden, das Akutspital 10 Jahre zu betreiben. Als er gefragt wurde, was das dann heisse, wenn das Spital nicht mehr auf die Spitalliste komme, fiel auch ihm auf die Schnelle nichts mehr einigermassen gut tönendes ein…

Der Stadtrat informierte darüber, dass er mit Rettungsdiensten und öffentlichen Spitälern in Verhandlungen sei, um den Rettungsdienst und eine Permanence (gewöhnlich werden damit Gruppen- oder Notfallpraxen mit erweiterten Öffnungszeiten – abends und am Wochenende – sowie der Möglichkeit von Besuchen ohne Voranmeldung bezeichnet) im Ort sicherzustellen. Der Stadtpräsident hätte mit unterschriebenen Verträgen winken können, es hätte beinahe niemanden interessiert. Im Gegenteil, er und der Gesundheits- und Gesellschaftsvorstand wurden praktisch ausgelacht, und dem Stadtrat wurde unterstellt, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung habe (gut, nicht in diesen Worten).

Das wurde auch klar, als eine Teilnehmerin wissen wollte, wieso der Stadtrat mit einer privaten Organisation verhandle… (was er definitiv nicht macht, siehe oben).
Diese Frage stellte sie im vom  Moderator angekündigten, 30 Minuten langen (und keine Minute mehr) für Fragen (und nur für Fragen) aus dem Publikum zur Verfügung stehenden letzten Teil der Veranstaltung. Den benutzte auch eine junge Frau, Mitarbeiterin des Spitals und aus nachvollziehbaren Gründen emotional vom Thema sehr betroffen, um den Stadtpräsidenten zu fragen, ob sich Affoltern am Albis lieber die auf die Stadt zukommenden Sozialhilfelasten leisten wolle, anstatt das Spital weiterzuführen. Selbst wenn sämtliche Mitarbeiter des Spitals in Affoltern am Albis wohnhaft wären, stellte sich diese Frage nicht. Der Stellenmarkt im Gesundheitswesen ist dermassen ausgetrocknet, dass die meisten Mitarbeiter wieder eine Stelle finden. Das gilt auch für die nicht-medizinischen Berufe. Gut, der Arbeitsweg ist in einigen Fällen länger. Das ist jedoch kein Argument, um sehr viel Geld zu verlochen.

Eine in Zürich wohnhafte, deutsche Mitarbeiterin des Spitals hieb in die gleiche Kerbe. Es ist nicht anzunehmen, dass sie der Sozialhilfe Affoltern am Albis zur Last fallen würde, nachdem sie ihre Steuern schon nicht hier bezahlt. Und sie ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht die Einzige, für die das zutrifft!

Der Moderator der Veranstaltung machte seine Sache gut, ausser dass er dann doch noch nicht nur Fragen zuliess und den Frageteil nach 30 Minuten nicht beendete. Wohl weil er sich nicht traute, einem bekannten Alt-Nationalrat die Strategie des letzten Wortes zu ruinieren…

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