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Zur Abstimmungsempfehlung des Stadtrates Affoltern am Albis

Zur Zeit könnte der Eindruck entstehen, die Abstimmungsempfehlung des Stadtrates Affoltern am Albis („Ja“ zur Auflösung des Zweckverbandes, „Nein“ zur Spital AG, „Nein“ zur IKA Langzeitpflege) sei eine Empfehlung an das ganze Säuliamt.
Das ist definitiv nicht so!
Die Adressaten dieser Empfehlung sind die Einwohner von Affoltern am Albis. Sie leiden schon seit Jahren unter dem höchsten Steuerfuss im Amt. Es gehört zu den Pflichten eines verantwortungsvollen Stadtrates, diese Steuerlast nicht ins Uferlose wachsen zu lassen. Und genau diesen Pflichten ist er mit seiner Empfehlung nachgekommen.
Nachdem der Stadtpräsident endlich keine zwei Hüte mehr mit gegensätzlichen Interessen vertreten muss, kann er sich auf seine Aufgabe besinnen. Nämlich seine ganze Aufmerksamkeit und die des restlichen Stadtrates zum Wohle der Stadt einzusetzen.
Sicher war es ein Fehler, als Gemeindepräsident von Affoltern am Albis auch das Amt des Betriebskommissionspräsidenten des Spitals zu übernehmen. Die Interessenskonflikte waren vorprogrammiert. Aber darüber zu diskutieren ist jetzt müssig.
Der Stadtrat ist zur Ansicht gelangt, dass eine gesundheitliche Grundversorgung mit den umliegenden Spitälern sowie einer Permanence und einem Rettungsdienst – beide relativ zentral in der Stadt stationiert – ausreichend gesichert ist.
In Notfällen, z.B. einem Herzinfarkt, ist nicht entscheidend, wie weit das nächste Spital entfernt ist (zumindest nicht bei der Spitaldichte in der Schweiz), sondern wie schnell der Rettungsdienst vor Ort ist.
Wer meint, als stationärer Pflegefall in Affoltern am Albis gepflegt zu werden, liegt nach den aktuellen Ideen der Betriebskommission falsch. Die Idee einer Kooperation mit dem Triemli ist, dass stationäre Fälle im Triemli behandelt werden und das Triemli ambulante Fälle nach Affoltern am Albis schickt. Der Stadtzürcher, der für ein ambulantes Problem nach Affoltern am Albis kommt, muss zuerst noch erfunden werden… Die Kooperation mit dem Triemli, bzw. die Funktion als Triemli-Filiale, ist also auch nicht ganz problemlos.
Stimmen die Stimmenden der Stadt Affoltern am Albis gegen das Spital, heisst das nicht automatisch, dass das Spital geschlossen wird. Dazu braucht es weitere ablehnende Entscheide. Sollte die Spital AG nicht angenommen werden, bedeutet das auch nicht den Verlust von 700 Arbeitsplätzen.
Das würde erst dann eintreten, wenn auch die IKA Langzeitpflege abgelehnt würde. Dazu bedarf es neben Affoltern am Albis markant  mehr ablehnender Gemeinden. Das ist jedoch kaum zu erwarten. Die Gemeinden haben eine gesetzliche Verpflichtung, Pflegeplätze zur Verfügung zu stellen.
Interessant zu erfahren wäre, wieviele Arbeitsplätze betroffen sind, wenn „nur“ das Spital geschlossen würde?
Im Anzeiger vom 14. Februar schrieb Thomas Stöckli von einem volkswirtschaftlichen Nutzen des Spitals von 180 Millionen Franken, der zur Hauptsache Affoltern am Albis  zugute komme. Das wäre selbst dann nicht der Fall, wenn sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (inkl . Kader und dem ganzen ärztlichen Personal) in Affoltern am Albis wohnen und das Spital nur in Affoltern am Albis einkaufen würde.
Interessant zu erfahren wäre, wieviele der gesamten Spital-Belegschaft in Affoltern am Albis oder im Bezirk wohnhaft ist?
Affoltern am Albis leidet unter einer akuten Überalterung. Das ist weiter nicht verwunderlich. Es ist für Junge und junge Familien einfach nicht interessant genug und schlicht zu teuer, was die Steuern betrifft. Stimmen die Alten der Spital AG und der IKA Langzeitpflege zu, hinterlassen sie den immer weniger Jungen eine richtig teure Erbschaft! Genau dem will der Stadtrat vorbeugen.

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Infoveranstaltung

Am Montag, 11. März 2019, fand im Kasinosaal in Affoltern am Albis eine sogenannte Info-Veranstaltung statt. Der Stadtrat hatte sich zum Ziel gesetzt, die Einwohnerinnen und Einwohner über die Gründe seiner Empfehlung für die Abstimmung vom 19. Mai 2019 zu informieren. Bekanntlich empfiehlt er ein „Ja“ zur Auflösung des Zweckverbandes, ein „Nein“ zum Beitritt in die gemeinnützige AG Spital und ein „Nein“ zum Beitritt in die interkommunale Anstalt Langzeitpflege.

Der Kasinosaal war gerammelt voll. Ein grosser Teil der Anwesenden kam nicht aus Affoltern am Albis. Und der grösste Teil kam auch nicht an die Veranstaltung, weil ihn die Gründe für diese Empfehlung interessierten. Der grösste Teil kam, um seinem Unmut Luft und Gehör zu verschaffen. Und teilweise auch, um zu beweisen, dass Anstand noch immer kein weit verbreitetes Gedankengut darstellt. Der grösste Teil hatte auch eine vorgefasste, in Stein gemeisselte Meinung.

Mit andern Worten, der grössteTeil der Besucher war an diesem Anlass am falschen Ort, weil ihn die Information des Stadtrates überhaupt nicht interessierte!

Vielmehr wollten diese Menschen den aktuellen Präsidenten der Betriebskommission des Spitals bejubeln. Der begnadete, Tatsachen unterschlagende, Halbwahrheiten verbreitende Populist erfüllte die Hoffnungen dieser Menschen. Er verbreitete einmal mehr die Mär, ein Beitritt zur Spital AG koste die Gemeinden keinen Rappen. Allfällige Defizite (so sicher wie das Amen in der Kirche) würden aus dem Eigenkapital gedeckt. Jedem halbwegs funktionierenden Verstand ist völlig klar, dass das der sichere Weg ins Verderben ist. Und wenn man weiss, dass dieser talentierte Selbstdarsteller und Rhetoriker auch noch Treuhänder sein soll, dann wird schnell klar, dass er wider besseres Wissen die Gemeinden ins Unheil locken will mit seinen fragwürdigen Behauptungen. Man könnte ihn auch als Rattenfänger mit beschränkter Berufsethik bezeichnen. Er verlässt sich darauf, dass die Stimmbürger im Säuliamt nicht rechnen können. Und der grösste Teil der Anwesenden gab ihm recht!

Nur einmal kam er doch recht ins Rudern. Mit dem „Ja“ zum Beitritt gemeinnützige AG Spital verpflichten sich die entsprechenden Gemeinden, das Akutspital 10 Jahre zu betreiben. Als er gefragt wurde, was das dann heisse, wenn das Spital nicht mehr auf die Spitalliste komme, fiel auch ihm auf die Schnelle nichts mehr einigermassen gut tönendes ein…

Der Stadtrat informierte darüber, dass er mit Rettungsdiensten und öffentlichen Spitälern in Verhandlungen sei, um den Rettungsdienst und eine Permanence (gewöhnlich werden damit Gruppen- oder Notfallpraxen mit erweiterten Öffnungszeiten – abends und am Wochenende – sowie der Möglichkeit von Besuchen ohne Voranmeldung bezeichnet) im Ort sicherzustellen. Der Stadtpräsident hätte mit unterschriebenen Verträgen winken können, es hätte beinahe niemanden interessiert. Im Gegenteil, er und der Gesundheits- und Gesellschaftsvorstand wurden praktisch ausgelacht, und dem Stadtrat wurde unterstellt, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung habe (gut, nicht in diesen Worten).

Das wurde auch klar, als eine Teilnehmerin wissen wollte, wieso der Stadtrat mit einer privaten Organisation verhandle… (was er definitiv nicht macht, siehe oben).
Diese Frage stellte sie im vom  Moderator angekündigten, 30 Minuten langen (und keine Minute mehr) für Fragen (und nur für Fragen) aus dem Publikum zur Verfügung stehenden letzten Teil der Veranstaltung. Den benutzte auch eine junge Frau, Mitarbeiterin des Spitals und aus nachvollziehbaren Gründen emotional vom Thema sehr betroffen, um den Stadtpräsidenten zu fragen, ob sich Affoltern am Albis lieber die auf die Stadt zukommenden Sozialhilfelasten leisten wolle, anstatt das Spital weiterzuführen. Selbst wenn sämtliche Mitarbeiter des Spitals in Affoltern am Albis wohnhaft wären, stellte sich diese Frage nicht. Der Stellenmarkt im Gesundheitswesen ist dermassen ausgetrocknet, dass die meisten Mitarbeiter wieder eine Stelle finden. Das gilt auch für die nicht-medizinischen Berufe. Gut, der Arbeitsweg ist in einigen Fällen länger. Das ist jedoch kein Argument, um sehr viel Geld zu verlochen.

Eine in Zürich wohnhafte, deutsche Mitarbeiterin des Spitals hieb in die gleiche Kerbe. Es ist nicht anzunehmen, dass sie der Sozialhilfe Affoltern am Albis zur Last fallen würde, nachdem sie ihre Steuern schon nicht hier bezahlt. Und sie ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht die Einzige, für die das zutrifft!

Der Moderator der Veranstaltung machte seine Sache gut, ausser dass er dann doch noch nicht nur Fragen zuliess und den Frageteil nach 30 Minuten nicht beendete. Wohl weil er sich nicht traute, einem bekannten Alt-Nationalrat die Strategie des letzten Wortes zu ruinieren…

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«Ohne diesen Magneten werden wir künftig mit einem Hexenschuss ins Triemli oder zu einem diensthabenden Hausarzt weit ausserhalb unseres Bezirks pilgern müssen.»
(David Koller, Präsident «Ja zum Spital Bezirk Affoltern»)

Mit einem „Nein“ zum Spital werden sämtliche 64 Praxen (40 allgemeine und innere Medizin, Rest Spezialisten) im Säuliamt geschlossen? Hier ist das Argument Angst allzu offensichtlich. Ausser man trägt Scheuklappen und will sich um jeden Preis am Spital beteiligen. Die Konsequenzen daraus – nicht nur für die Stadt Affoltern am Albis – sind eine hohe finanzielle Belastung und durch das eine verminderte Attraktivität für Junge und junge Familien. Und dann beginnt sich eine Abwärts-Spirale zu drehen.

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Ein eigenes Spital stellt die medizinische Versorgung sicher, gerade auch angesichts des zunehmenden Hausärztemangels

Spitalbroschüre

Immer wieder wird auf den Hausärztemangel verwiesen. Dass sich immer mehr Jungmediziner dazu entschliessen, sich zu spezialisieren statt Allgemeinmediziner zu werden, könnte auch dem Spital angelastet werden. Das wäre dann ebenso weit hergeholt wie die Behauptung, das Spital könne den Hausärztemangel aufhalten.
Noch vor kurzem war an den Spital-Delegiertenversammlungen von der Betriebskommision und der Spitalleitung jeweils ein grosses Heulen und Zähneklappern zu vernehmen, weil das Spital ganz offensichtlich von den Hausärzten im Bezirk boykottiert werde. Die Belegungszahlen belegten es klar.
Und heute? Da setzen sich die Hausärzte vehement für das Spital ein. Mit der Begründung „ohne Spital keine Hausärzte“! Schon immer war das wirkungsvollste Argument vor Wahlen und Abstimmungen die Angst. Und schon immer hat sie sich im Nachhinein als unbegründet erwiesen. Vielleicht wäre es interessant, die wirkliche Motivation hinter dem aktuellen Engagement der Hausärzte zu erfahren?

Dank ihm können die immer häufiger werdenden ambulanten Behandlungen in der Nähe des Wohnorts erfolgen.

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Braucht es wirklich ein Spital für die vielen Bobos, die von Hausärzten, Ambulatorien, einer Permanence oder einem Aerztehaus mindestens genau so gut und günstiger behandelt werden könnten? Ganz abgesehen davon, dass die Ambulatorien und Notfall-Aufnahmen effizient entlastet werden könnten, wenn sie nicht wegen jedem Mückenstich aufgesucht würden. Das hätte auch den positiven Nebeneffekt, dass die wirklich Behandlungsbedürftigen nicht so lange warten müssten.

Zudem schafft das Spital Arbeitsplätze und Lehrstellen (Lehrspital des Universitätsspitals für Medizinstudenten), …

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Das Spital schafft keine Arbeitsplätze. Es bietet allenfalls welche an. Um welche zu schaffen, müsste es wachsen. Und die Sache von der Arbeitsplatzgarantie hat sich schon vor langer Zeit als Traum erwiesen. Das wissen ganz viele Einwohner unseres Bezirks aus eigener Erfahrung.

…  es vergibt Aufträge an KMU, …

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Das ist ein Argument. Da wäre es interessant zu erfahren, welche KMU aus dem Bezirk in den letzten Jahren in welchem Umfang Aufträge vom Spital erhielten!

Ist das unsere Identität?

… und es macht für viele den Charakter des Knonauer Amts mit aus.

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Sind wir tatsächlich ein derart morbider Bezirk, dass das Spital den Charakter des Knonauer Amts ausmacht? Da offenbaren sich bei näherem Hinschauen weitere Themen: Was macht unseren Bezirk attraktiv? Wo liegen unsere Stärken? Wie erschliessen wir ihn touristisch? Wie machen wir den Bezirk für Junge attraktiv?
Die ganze Energie, die jetzt in die Erhaltung des todkranken Spitals fliesst, wäre hier besser investiert. Da würden Arbeitsplätze geschaffen und Aufträge generiert für KMUs. Für was genau haben wir eine Standort-Förderung?

Spital Affoltern am Albis

Die Luft ist raus…

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Spital Affoltern hat die Intensivstation verlassen und liegt auf der Palliativ-Station. Aber…

Stellen Sie sich vor, Sie wären das Spital Affoltern. Ursprünglich gesund und munter. Zugegeben, nicht wirklich kräftig, aber doch recht vital. Und mit guten Ideen! Dann wurde ohne viel Fachwissen und recht planlos an Ihnen herumgedoktert. Die beste Medizin (eine rechtzeitige, sinnvolle Revision der Zweckverbands-Statuten) wurde Ihnen konsequent verweigert. Als festgestellt wurde, dass Ihnen diese Kurpfuscherei nicht bekam, verlegte man Sie allerdings nicht in die Intensivstation mit erfahrenen Aerzten. Nein, man band Ihnen wider besseren Wissens (schon damals war die Trennung Spital/Langzeitpflege ein Thema) noch einen massiven Klotz ans Bein (total überdimensioniertes Verpflegungszentrum). Dies in der nicht nachvollziehbaren Hoffnung, das würde zu Ihrer Besserung beitragen. Falsch gehofft! Danach verlegte man Sie auf die Intensivstation und füllte Sie mit einer stattlichen Anzahl teurer und sehr teurer Infusionen ab (wenig hinterfragte Investitionen, teure Berater). Irgendwann wurde die Aussichtslosigkeit dieser Bemühungen eingesehen, und Sie wurden in die Palliativ-Care-Villa verlegt. Da Sie dort jedoch nicht schnell genug starben, wurden Sie wieder zurückverlegt, entweder wieder in das Spital, ins Pflegeheim oder nach Hause. Sie zog es nach Hause, wo sie still und leise und in Würde von dieser Welt gehen wollten. Still und leise und in Würde?