Spital Affoltern am Albis 6

«If you torture data long enough, it will admit to anything», lautet ein bekanntes englisches Statistiker-Sprichwort. Auf Deutsch etwa: Quält man Daten nur lange genug, dann gestehen sie alles Mögliche. Im medialen Diskurs bewahrheitet sich dieses Sprichwort regelmässig. Zahlen sind dort ein beliebtes Mittel, um die eigene Position zu rechtfertigen. Zur tatsächlichen Klärung der Sachlage trägt das nicht immer bei. Gerne werden Daten auch mal in ein Argument gezwängt, in das sie eigentlich nicht passen. Dazu schält man den Kontext weg, vergleicht Äpfel mit Birnen oder peppt gar Zahlen mit einer gehörigen Portion Fantasie auf.

Dieser Text steht zu Beginn des Berichtes zur Gesundheitsversorgung 2017.

Vielleicht hat ihn der erste Sprecher der Spital-Demo auch gelesen. Auf jeden Fall hielt sich Dr. Koller buchstabengetreu an das Rezept. Er sprach von 700 Arbeitsplätzen, die verloren gingen. Ein Grossteil der Säuliämtler Gemeinden hätte ohne Langzeitpflege sofort ein Problem, also werden keinesfalls 700 Arbeitsplätze verloren gehen.

Er sprach auch von der Relation Spitalschliessungen – Gesundheitskosten. Er rief in die Menge, in den letzten 25 Jahren sei jedes vierte der Spitäler, vornehmlich Kleinspitäler, in der Schweiz geschlossen worden. Ob das eine Auswirkung auf die Gesundheitskosten gehabt habe, wollte er von den Beifall spendenden Demonstranten wissen. Diese Form von Rhetorik kennen eigentlich nur noch alte Menschen aus Deutschland. Und auch dort wurde begeistert applaudiert!

Solche Äpfel-Birnen-Vergleiche sind eines hoffentlich intelligenten Menschen unwürdig. Er erkennt die Problematik dahinter. Dass er sie trotzdem bringt an einer solchen Veranstaltung, kann nur bedeuten, dass ihm die Manipulation der Menschen wichtiger ist! Womit wir wieder bei den alten Menschen aus Deutschland wären. Wer sich mit Dr. Kollers Ansprache näher beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Psychologie der Massen“ von Gustave le Bon wärmstens empfohlen.

(Die Gesundheitskosten haben sich übrigens in den letzten 18 Jahren verdoppelt. Niemand weiss, wie sich die Zahlen entwickelt hätten ohne die Schliessung der 25% der Spitäler).

Und es wird immer von den tiefsten Gesundheitskosten des Bezirks berichtet. Das stimmt. Dass Affoltern am Albis bezüglich Gesundheitskosten pro Kopf ein extremer Ausreisser nach oben ist, das wird tunlichst verschwiegen!

Das Thema Kosten wird ebenfalls immer wieder verniedlicht. Dass bei den ambulanten Fällen mindestens 20% Defizit „erwirtschaftet“ werden, ist total normal und nicht wichtig. Dass eigentlich nur die Privatpatienten einen Gewinn ermöglichen, stimmt nachdenklich. Denn der Pavillon mit den Privatpatienten hat nur noch eine provisorische, zeitlich begrenzte  Betriebserlaubnis. Wurde das schon einmal erwähnt?

Dazu kommt, dass das Spital Affoltern im Fallkostenvergleich 2016 der 19 Zürcher Spitäler auf der Liste die vierthöchsten Kosten aufwies. Das wird ebenfalls unter den Tisch gewischt. Wer noch teurer war? Unter anderem Triemli und Waid! Noch Fragen?

Und diese Entwicklung geht weiter.

Im Gesundheitsversorgungsbericht 2017 wurde das Spital mit 69 Betten und einer Belegung von 81% aufgeführt! Und ein allfälliger Neubau soll weniger Betten haben als heute? Geplant sind 80!

Im gleichen Bericht steht, dass das Spital Affoltern 2016 372 Vollzeitstellen hatte, wovon 12% Ausildungsplätze waren (es gibt eine kantonale Ausbildungspflicht).

Es hat in diesem Bericht einige Fragezeichen. Das wird vom 3 x JA-Komitee und der Betriebskommission schamlos ausgenützt, indem Zahlen so zurechtgebogen und serviert werden, dass die Leute auf der emotionalen Ebene bestmöglich abgeholt werden können.

Die massiven Stolpersteine in der IKV (Interkommunale Vereinbarung) zur gAG Spital werden verniedlicht, z.B. die Verpflichtung, das Spital mindestens 5 Jahre zu betreiben und die Aktien mindestens so lange zu halten. Wer glaubt, dass sich private Käufer für Aktienanteile an einem defizitären Spital finden werden? Eben!

Diese IKV kann nur einstimmig aufgelöst werden, einer der Vorwürfe an den jetzigen Zweckverband. Sollte das Spital ab 2022, also in spätestens drei Jahren, nicht mehr auf der Liste stehen, fällt die Kantonsfinanzierung weg. Dann entsteht umgehend ein zweistelliges Millionenloch! Und der Anteil von Affoltern am Albis beträgt ein gutes Viertel an diesem zweistelligen Millionenloch. Jedes Jahr!

Irgendwann liegen dann all die hochfliegenden Pläne auf dem Boden und das finanzielle Desaster ist perfekt. Bis dahin hat Affoltern am Albis zig Millionen förmlich aus dem Fenster geschmissen. Die Kinder in den teilweise maroden Schulhäusern werden sich bedanken!

Das Personal des Spitals (nicht von der Langzeitpflege) wird dann keine Unterstützung in der Bevölkerung mehr haben und steht vor dem gleichen Problem wie dieses Jahr. Nur ist es dann für die Stellensuche mindestens drei bis vier Jahre älter.

Und die Fragen von heute, die in all den Leserbriefen an Affoltern am Albis statt an die Betriebskommission gerichtet werden, sind immer noch nicht gelöst!

Wollen sie das als Stimmberechtigte von Affoltern am Albis wirklich?

Ein Gedanke zu „Spital Affoltern am Albis 6

  1. Erstaunlich gut informiert und gut formuliert.
    So hoffen wir mal, dass Herr Brütsch sich für den Fortbestand des Zweckverbandes samt seiner Renovation einsetzt. Denn ist der Zweckverband weg, darf auch Brütsch nicht mehr mitreden. Dann läuft alles hintenherum im VR der AG. Jetzt haben wir die allerletzte Chance, unsere Mitsprache mit
    3 x Nein zu sichern.

    Dass Koller einen Sei… verzapft und bei der Zahl der Mitarbeitenden übertreibt, zeigt seine Glaubwürdigkeit. Der Gyseler hat sich geweigert, unserem Verein die Vollzeitstellen zu nennen. Alles klar?
    Verein pro Zweckverband. H. Roggwiler
    http://www.verein-zweckverband.ch

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